Arsen und Aufmerksamkeitsstörungen

Arsen und Aufmerksamkeit
Spanische Wissenschaftler untersuchten einen möglichen Zusammenhang zwischen der Arsenkonzentration im Urin und der Aufmerksamkeit bzw. der ADHS-Symptomatik. Die Studie wurde an Kindern im Südwesten von Spanien durchgeführt. Diese Gegend ist gekennzeichnet durch eine hohe Industriedichte und vermehrte Bergbauaktivität. Die Wissenschaftler konnten mit verschiedenen Testverfahren nachweisen, dass die Arsenkonzentrationen im Urin mit einer gestörten Aufmerksamkeit sowie mit einer Störung der kognitiven Funktionen assoziiert waren – selbst bei Konzentrationen, die als sicher eingestuft wurden. Das Ergebnis dieser Studie ist ein weiterer Beweis dafür, dass eine Arsenexposition nach der Geburt, neurologische Funktionen bei Kindern beeinträchtigt.

Referenz:
Rodríguez-Barranco M et al.: Postnatal arsenic exposure and attention impairment in school children. Cortex. 2016 Jan;74:370-82. doi: 10.1016/j.cortex.2014.12.018.


ADHS und Mikronährstoffmedizin

NEWS - ADHS und Mikronährstoffe

Es wäre sicherlich übertrieben, ADHS als reine Mikronährstoffmangelerkrankung einzustufen. Dennoch hat ein Mangel an bestimmten Mikronährstoffen beträchtliche Konsequenzen für die psychische Befindlichkeit und für das Verhalten. Ein Ausgleich von Mikronährstoffdefiziten ist, unabhängig von anderen erforderlichen Therapien, immer eine notwendige und sinnvolle Maßnahme und sollte in jedem Fall in Betracht gezogen werden.

Lesen Sie dazu unseren NEWS mit aktuellen Fakten zum Thema ADHS und Mikronährstoffe.

 


Bleibelastung und Lernen bei Schulkindern

Blei - Schule

Hat eine Bleibelastung Auswirkungen auf schulische Leistungen?

In den Jahren 1994 bis 1998 bestimmten US-Wissenschaftler in Chicago bei 58.650 Kindern die Vollblutkonzentrationen von Blei. Später, als diese Kinder die dritte Klasse Grundschule besuchten, wurde die Schulleistungsfähigkeit untersucht. Es zeigte sich, dass bereits Vollblut-Bleikonzentrationen unter 100 µg/l die Lesefähigkeiten und die mathematischen Leistungen negativ beeinflussen. Bei einem Anstieg der Bleikonzentration je 50 µg/l kam es zu einer 32-prozentigen Minderung der Leistungen in Mathematik und der Leseleistung. Die Wissenschaftler schätzten, dass 13 Prozent der Lesestörungen und 14,8 Prozent der schlechten Mathematikleistungen auf Blei-Vollblutkonzentrationen zwischen 50 und 90 µg/l zurückzuführen sind. Für die Verbesserung der Schulleistungsfähigkeit ist eine Vermeidung einer Bleibelastung in der frühen Kindheit sehr wichtig.

Referenz:
Evens A, Hryhorczuk D et al.: The impact of low-level lead toxicity on school performance among children in the Chicago Public Schools: a population-based retrospective cohort study; Environ Health. 2015 Apr 7;14:21.


Gefahr: Quecksilber

Quecksilberemmission

Quecksilber ein Nervengift

Quecksilber ist ein Nervengift und extrem schädlich. Obwohl Amalgamfüllungen durch andere Zahnmaterialien ersetzt wurden und es die alten Quecksilberthermometer nicht mehr gibt, ist die Gefahrenquelle „Quecksilber“ in Deutschland längst nicht gebannt. Kohlekraftwerke verschmutzen die Luft mit immensen Mengen an Quecksilber. Laut Frontal 21 belegen amtliche Zahlen Folgendes: 2013 wurden allein durch die Kraftwerke der Stromriesen RWE, E.ON und Vattenfall insgesamt 3325 Kilogramm Quecksilber in die Luft geblasen. Über den Regen gelangt das Schwermetall Quecksilber in Gewässer und von dort über die Nahrungskette in den menschlichen Organismus. Deutschland hat übrigens Europaweit den höchsten Quecksilberausstoß durch Kohlekraftwerke zu verzeichnen.

Quecksilber und seine schädliche Wirkung auf das Gehirn

Für das ungeborene Kind sind bereits kleinste Mengen Quecksilber gesundheitsschädlich. Quecksilber gelangt über die Plazenta in die Blutbahn des Ungeborenen und damit auch in das Gehirn. Die Umwelttoxikologin Ellen Fritsche vom Leibniz-Institut erforschte die Wirkung von Quecksilber auf die Gehirnzellen und berichtete in der Sendung Frontal 21 vom 16.06.2015: „Dort bewirkt es, dass sich die Architektur des Gehirnes nicht normal ausbildet, weil es verhindert, dass die Nervenzellen wandern und es verhindert auch, dass sie sich überhaupt bilden.“ Im Weiteren vermerkt sie: „Das bedeutet, das Kind wird dümmer, ja. Es kann sein geistiges Potenzial nicht voll ausschöpfen.“

Eine Studie, finanziert von der Europäischen Union, belegt, dass Quecksilber eine Gefahr in ganz Europa darstellt. Laut Studie werden jährlich 1,8 Millionen Kinder geboren, deren Quecksilberstatus bedenklich ist, d. h. jedes dritte Kind ist betroffen. Die Autoren der Studie weisen darauf hin, dass dies einen nachweisbaren Intelligenzverlust  für die Bevölkerung nach sich zieht.

Referenz:
http://www.zdf.de/frontal-21/quecksilbergefahr-aus-der-kohle-kraftwerke-stossen-tonnenweise-nervengift-aus-38873430.html
Frontal 21: Quecksilbergefahr aus der Kohle. Sendung vom 16. Juni 2015

 


Arsen und Aufmerksamkeit von Schulkindern

Arsen, Schwermetalle
In den letzten Jahrzehnten stieg die Besorgnis über die gesundheitlichen Risiken einer Schwermetallexposition, einschließlich Arsen, wegen der möglichen neurotoxischen Wirkungen auf das sich entwickelnde Gehirn.

In einer Studie wurde untersucht, ob es einen Zusammenhang zwischen der Arsenkonzentration im Urin und einem Aufmerksamkeitsdefizit bzw. einer  ADHS-Symptomatik gibt. In die Querschnittsstudie wurden 261 Kinder im Alter zwischen 6 und 9 Jahren miteinbezogen. Die Studienteilnehmer kamen aus Südwest-Spanien, einem Gebiet mit hoher Industrie- und Bergbauaktivität.

Die Arsenkonzentration wurde im Urin bestimmt, die Aufmerksamkeit wurde durch vier verschiedene unabhängige Tests ermittelt.  Die Ergebnisse der Tests zeigten auf, dass eine nachgeburtliche Arsenexposition neurologische Funktionen bei Kindern beeinträchtigen kann.

Referenz:
Rodriguez-Barranco M. et al.: Postnatal arsenic exposure and attention impairment in school children. Cortex. 2015 Jan 27. pii: S0010-9452(15)00027-1.


Gehirn und Umweltgifte

Gehirn und Umweltgifte
Bereits im Blut von Neugeborenen wurden über 280 verschiedene Umweltgifte nachgewiesen. Eine Schwermetallbelastung beeinträchtigt die normale Hirnentwicklung und die Funktion der Neurotransmitter, was zu Langzeitdefiziten bei den Lernleistungen und dem Sozialverhalten führt.

Studien haben gezeigt, dass hyperaktive Kinder im Vergleich zu Kontrollpersonen signifikant erhöhte Spiegel von Blei, Mangan oder Cadmium hatten. Stark erhöhte Manganspiegel sind mit impulsivem und gewalttätigem Verhalten assoziiert. Eine schlechte Ernährung erhöht die Anfälligkeit für giftige Wirkungen von Blei und Mangan. Hohe Konzentrationen von Blei, Kupfer, Mangan und Quecksilber waren mit ADHS, Impulsivität, Ärger, Aggressivität, mangelnder Selbstkontrolle und Jugendkriminalität assoziiert.

Schwermetalle beeinträchtigen die Neurotransmission im Gehirn und im peripheren Nervensystem. Sie stören auch die Calciumspiegel im Gehirn und in den Zellen, wodurch viele Körperfunktionen beeinträchtigt werden können. Bei Störungen der Calciumversorgung wurden auch verminderte Spiegel von Serotonin, Noradrenalin und Acetylcholin nachgewiesen.

Referenz:
Sylvia Onusic: Violent Behavior: A Solution in Plain Sight, westonaprice.org, 22.04.2013


Zusammenhang zwischen Bleibelastung und ADHS

In einer Metaanalyse untersuchten US-Wissenschaftler den Zusammenhang zwischen ADHS und einer Bleibelastung bei Kindern und Heranwachsenden. In die Metaanalyse wurden 33 Studien mit 10.230 Kindern und Jugendlichen einbezogen. Es zeigte sich ein kleiner bis mittlerer Zusammenhang zwischen der Bleikonzentration und Unaufmerksamkeitssymptomen, Hyperaktivität sowie Impulsivität. Wenn die Bleibelastung in den Haaren gemessen wurde, war dieser Zusammenhang noch stärker ausgeprägt als bei anderen Methoden.

Insgesamt war der Zusammenhang zwischen Bleibelastung und ADHS-Symptomen ähnlich groß wie zwischen der Bleikonzentration und vermindertem IQ bzw. zwischen der Bleikonzentration und Verhaltensproblemen.

Referenz:
James K et al.: Lead and attention-deficit/ hyperactivity disorder (ADHD) symptoms: A meta-analysis; Clinical Psychology Review; 29. January 2013


Blei wiederholt mit ADHS-Symptomen assoziiert

Das sich entwickelnde Gehirn eines Kindes ist extrem anfällig gegen toxikologische Umwelteinflüsse wie z.B. Schwermetalle. Selbst kleine Mengen an Blei und Cadmium im Blut können zu Entwicklungsstörungen und Dysfunktionen führen.

In einer polnischen Studie wurde der Einfluss von Cadmium und Blei in Bezug auf Verhaltensstörungen im häuslichen Umfeld geprüft. Die Grundlage hierzu bildete eine Umfrage von 78 Familien mit Kindern, die als verhaltensauffällig eingestuft wurden.  Die Diagnose ADHD wurde mit dem ADHSD-Rating Scale-IV ermittelt, die Blei- und Cadmiumwerte laboranalytisch bestimmt. Die mittleren Bleiblutspiegel lagen bei 19,71 µg/ l, die mittleren Cadmiumblutspiegel bei 0,215 µg/ l.

Die Wissenschaftler fanden heraus, dass höhere Bleiblutwerte mit dem Auftreten von Hyperaktivität und impulsivem Verhalten korrelierten. Bezüglich der Cadmiumwerte konnte kein statistisch signifikanter Zusammenhang mit Verhaltensauffälligkeiten festgestellt werden.

Die Autoren der Studie kommen zu dem Schluss, dass sich Blei auf den entwickelnden Organismus des Kindes negativ auswirkt, was mit Verhaltens- und Aufmerksamkeitsstörungen, Hyperaktivität und impulsivem Verhalten einhergehen kann. Das wiederum führt zu einem störenden Verhalten Zuhause.


Referenz:
Szkup-Jablonska M et al.: Effects of blood lead and cadmium levels on the functioning of children with behaviour disorders in the family environment; Ann Agric Environ Med. 2012;19(2):241-6.


ADHS-Risiko durch erhöhte Blei- und Quecksilberwerte bei Inuit-Kindern

Blei, Quecksilber, ADHS
Eine Schwermetallbelastung in der frühen Kindheit führt zu einem höheren ADHS-Risiko. Das wurde in einer jüngst durchgeführten kanadischen Studie mit fast 300 Inuit-Kindern aus Nord-Quebec bestätigt.
Eine der wichtigsten Nahrungsquellen der Inuit ist Beluga-Walfleisch, das sehr stark mit Quecksilber kontaminiert sein kann. Außerdem sind die Kinder einer erhöhten Bleibelastung über die Nahrung ausgesetzt, da die für die Nahrungsaufnahme getöteten Gänse und Enten mit Bleikugeln erlegt werden.

Blei und Quecksilber sind potentielle Toxine, die die Entwicklung der Gehirne von Kleinkindern gefährden. Es ist aus Studien bekannt, dass Quecksilber-Vergiftung bei Kindern zu Schwierigkeiten in der Sprachentwicklung, in der Aufmerksamkeit, in der Koordination und zu anderen Problemen führen kann. Das Schwermetall Blei beeinträchtigt das Lernvermögen und generell die Gedächtnisleistung. Weiterlesen


Cadmium und Entwicklung bei Kindern

Im Rahmen der US-amerikanischen NHANES-Untersuchung wurden auch Urinproben von 6 bis 15 Jahre alten Kindern und Jugendlichen auf Cadmium untersucht. Es wurde dann geprüft, inwieweit die Cadmiumkonzentrationen mit Entwicklungsstörungen bei Kindern zusammenhängen. Bei einer höheren Cadmiumausscheidung bestand ein vermehrtes Risiko für Lernstörungen und für die Notwendigkeit einer Sonderschulbehandlung. Diese Zusammenhänge wurden bereits bei Cadmiumkonzentrationen festgestellt, die bisher als unschädlich galten. Weiterlesen


Die Bedeutung von Blei für Kinder

In einem Fachartikel, der in einer australischen Fachzeitung für Hausärzte publiziert wurde, ging es um die Bedeutung von Blei bei Kindern und Erwachsenen. Kinder sind gegenüber einer möglichen Bleivergiftung sehr viel empfänglicher als Erwachsene. Das ist teilweise dadurch zu erklären, dass sie Blei viermal besser absorbieren als Erwachsene und sie auch vermehrt bleihaltigem Staub ausgesetzt sind. Typischerweise erreichen die Bleispiegel bei Kindern nach 1,5 bis 2 Jahren eine Spitzenkonzentration. Blei und Eisen werden über denselben Transporter durch die Darmwand geleitet. Bei einem Eisenmangel transportiert der Metalltransporter vermehrt Blei. Weiterlesen


Blei beeinträchtigt Entwicklung von Kindern

Das Gehirn von Kindern ist besonders empfindlich gegenüber den toxischen Effekten von Schwermetallen. Schon Bleibelastungen unterhalb der gängigen Richtwerte beeinträchtigen die Konzentration und die emotionale Entwicklung von Kindern. Forscher der Universität Bristol bestimmten bei rund 500 Kindern im Alter von 30 Monaten die Bleikonzentrationen im Blut. Im Alter von sieben bis acht Jahren prüften die Wissenschaftler dann ihr Lese- und Schreibvermögen. Die Studienteilnehmer mit Bleikonzentrationen zwischen 50 und 100 µg/ l schnitten im Lesen und Schreiben nur halb so gut ab wie die kaum belasteten Kinder. Blei wirkt auf Kleinkinder deshalb so schädlich, weil sie im Vergleich zu Erwachsenen wesentlich größere Mengen des Schwermetalls aufnehmen und ins Gewebe einlagern können. Weiterlesen


Blei beeinträchtigt Psyche und Gedächtnis

In der Fachzeitung Current Neurobiology erschien 2011 ein Artikel über die Neurotoxizität von Blei. Von den amerikanischen Centers of Diseases Control wird eine Bleikonzentration unterhalb von 100 µg/ l als unbedenklich angesehen. Verschiedene Studien haben aber gezeigt, dass auch Bleikonzentrationen unterhalb von 100 µg/ l zu reduzierten kognitiven Funktionen, verminderter Aufmerksamkeit, erhöhter Aggressivität und zu Hyperaktivität führen können. Weiterlesen


Hyperaktivität und Lernstörungen steigen mit Bleibelastung

Blei
Die heutige Bleibelastung der Umwelt dürfte für Kinder immer noch gefährlich sein, obwohl es bereits viele Maßnahmen zur Verminderung dieser Belastung gibt. Zu diesem Ergebnis kamen Experten der Universität von Bristol. Sie konnten nachweisen, dass Störungen der intellektuellen und emotionalen Entwicklung von Kindern häufig mit erhöhten Bleiwerten im Blut einhergehen. Es wurden die Blutproben von knapp 600 zweieinhalbjährigen Kindern untersucht. Bei 27 Prozent fand man mehr als 50 µg Blei pro Liter Blut. Bei einer Untersuchung der Kinder im Alter von 7 bis 8 Jahren stellten sich enge Zusammenhänge zur früher erhobenen Bleibelastung heraus. Die Kinder mit 50 – 100 µg Blei im Blut erreichten bei Lese- und Schreibtests nur halb so viele Punkte wie Kinder mit geringeren Bleiwerten. Ab 100 µg pro Liter waren zudem asoziales Verhalten und z.B. Hyperaktivität dreimal so häufig. Blei hat im Körper keine physiologische Bedeutung. Es gibt deshalb auch keinen unschädlichen minimalen Grenzwert. Seit der Abschaffung des bleihaltigen Benzins ist die Bleibelastung zwar insgesamt gesunken, es gibt aber immer noch zahlreiche alte Wasserrohre aus Blei, besonders in Altbauwohnungen, sowie Armaturen, die Bleispuren enthalten können. Weiterlesen


Bei ADHS: Mikronährstoffmängel beheben und Störfelder erkennen

Bei ADHS: Mikronährstoffmängel beheben und Störfelder erkennen

In Deutschland sind mehr als 5 Prozent der unter 17-Jährigen von einem ADHS-Syndrom betroffen, so ein Bericht von Spiegel online vom 05.09.2011. Sie sind zappelig, unkonzentriert, unaufmerksam, vorlaut oder verträumt, und aufgrund ihres Chaos im Kopf können sie dem Unterricht nicht folgen. Darunter leiden Erzieher, Lehrer und Mitschüler, doch am meisten natürlich die betroffenen Kinder und Jugendlichen selbst.

Bei ADS/ ADHS gehen die Wissenschaftler von einer Veränderung des Botenstoffwechsels, insbesondere von Dopamin, Noradrenalin und Serotonin, aus. Botenstoffe sind Signalmoleküle, die z.B. die Stimmung, die Aufmerksamkeit, die Kreativität oder die Lernfähigkeit stark beeinflussen. Die Veranlagung für ein ADS-/ ADHS-Syndrom können genetisch bedingt sein; zwischenzeitlich werden immer mehr Faktoren bekannt, die ebenfalls mit einem ADHS-Syndrom in Zusammenhang gebracht werden, wie z.B. Lebensmittelunverträglichkeiten, Umweltgifte und Mikronährstoffmängel.

Nach Ulf Sauerbrey von der Friedrich-Schiller-Universität Jena (Lehrstuhl für Allgemeine Pädagogik und Theorie der Sozialpädagogik) verursachen einige Umweltgifte ähnliche Symptome wie ADHS. Eine Belastung mit Umweltgiften kann demnach zu neurobiologischen Auffälligkeiten und zu Verhaltensproblemen führen. Zu den Umweltgiften zählen u.a. Tabakrauch, Pestizide, polychlorierte Biphenyle (PCB) und Schwermetalle. Weiterlesen


Hirnveränderung durch Bleibelastung

Es ist bekannt, dass eine Bleibelastung in der Kindheit die Hirnentwicklung nachteilig beeinflusst. US-amerikanische und kanadische Wissenschaftler untersuchten jetzt mittels Kernspintomographie, ob eine Bleibelastung in der Kindheit zu nachweisbaren Hirnveränderungen führt. An der Studie nahmen 159 Erwachsene der Cincinnati Lead Study teil, bei denen in der Kindheit die Bleispiegel bestimmt worden waren. In Abhängigkeit vom Bleispiegel in der Kindheit konnte bei den Erwachsenen eine Verminderung der grauen Hirnmasse nachgewiesen werden. Außerdem wurden verschiedene biochemische Veränderungen betreffend Cholin, Myo-Inositol, Glutamat, Glutamin etc. nachgewiesen. Eine Bleibelastung im Kindesalter führt also zu irreversiblen neuronalen Schäden. Außerdem kommt es zu Veränderungen der Myelin-Architektur.

Referenz:
Kim M. Cecil et al.: Proton Magnetic Resonance Spectroscopy in adults with childhood lead exposure; Environmental Health Perspectives, Volume 119/Number 3/März 2011
Autor: Dr. med. Hans-Günter Kugler ©


Bleibelastung und intellektuelle Funktionen

US-Wissenschafter untersuchten bei 43 Erwachsenen den Einfluss einer Bleibelastung in der Kindheit auf die intellektuellen Funktionen. Bei den Studienteilnehmern waren die Bleispiegel bereits in der Kindheit mehrfach gemessen worden. Bei der Beurteilung der Intelligenz zeigte sich ein signifikanter Zusammenhang der Bleibelastungen im Alter von 6 Monaten, 4 Jahren und 10 Jahren. Die Studienresultate lassen auch vermuten, dass das Gehirn während der Schulzeit besonders empfindlich auf Bleibelastungen reagiert.

Referenz:
Maitreyi Mazumdar et al.: Low-level environmental lead exposure in childhood and adult intellectual function: a follow-up study; Environmental Health 2011; ehjournal.net/content/10/1/24


Blei verursacht ADHS


Amerikanische Wissenschaftler untersuchten den Zusammenhang zwischen der Bleikonzentration im Vollblut und einer ADS-Symptomatik. An der Studie nahmen 236 Kinder und Jugendliche im Alter von sechs bis siebzehn Jahren teil. Die Bleikonzentrationen lagen im Durchschnitt bei 7,3 µg/ l, die maximalen Werte bei 22 µg/l. Diese Bleikonzentrationen sind außerordentlich niedrig, sie sind geringer als die üblichen  Durchschnittswerte in Europa und den USA.

Aus der Studie ging hervor, dass sogar schon sehr niedrige Bleikonzentrationen mit der ADS-Symptomatik assoziiert sind. Es wurden die bisher niedrigsten Bleikonzentrationen in Relation zur ADS-Symptomatik gemessen.

Dass eine Bleibelastung für die Entstehung von ADHS mitverantwortlich sein kann, ist auch aus neurobiologischer Sicht erklärbar, denn Blei stört den Kreislauf von Dopamin und anderen Neurotransmittern im Gehirn. Das Ergebnis der Studie ist von großer Bedeutung, da eine niedrige Bleibelastung weit verbreitet ist.

Eine weitere Studie über Blei weist nach, wie wichtig das Essen am Morgen ist: Eine Bleibelastung kann durch regelmäßiges Frühstücken vermindert werden, dies zeigen die Daten der China Jintan Cild Cohort Study. Es wurde der Zusammenhang zwischen Ernährungsgewohnheiten und der Bleikonzentration im Vollblut bei Kindern untersucht. Das Ergebnis zeigt folgendes: Kinder, die regelmäßig frühstückten, wiesen eine um 15 Prozent niedrigere Bleikonzentration im Blut auf als Kinder ohne Frühstück.

Referenzen:
Regular breakfast helps reduce lead poisoning in children. Medical News Today, 31.03.2011
Joel T. Nigg, Ph. D., et al.: Confirmation and extension of association of blood lead with attention-deficit/ hyperactivity disorder (ADHD) and ADHD symptom domains at population-typical exposure levels; J Child Psychol Psychiatry. 2010 January; 51(1): 58-65
Bild: Archiv; Autor: Michi ©


Aluminium in Schokolinsen – damit sie mehr leuchten

Aluminium ist ein weit verbreiteter Nahrungsbestandteil, vor allem in bunten Süßigkeiten für Kinder. Viele Lebensmittelfarben enthalten Aluminium, damit sie knalliger leuchten; insbesondere bunte Schokolinsen werden mit Aluminiumfarblacken gefärbt. Die Aluminiumkonzentrationen in Schokolinsen sind teilweise erschreckend hoch. Amtliche Messungen baden-württembergischer Behörden haben Spitzenwerte bis zu 320 mg/ kg Schokolinsen ergeben.

Am 15. Juli 2008 erfolgte eine Pressemitteilung der europäischen Lebensmittelbehörde EFSA, in der vor überhöhter Aluminiumaufnahme in Lebensmitteln gewarnt wurde. Nach Schätzungen von Experten wird bei einem erheblichen Teil der europäischen Bevölkerung die tolerierbare wöchentliche Aufnahme von einem Milligramm Aluminium pro Kilogramm Körpergewicht überschritten. Wenn man sich auch über die gesundheitlichen Risiken des Aluminiums noch nicht ganz einig ist, so gilt Aluminium doch als Risikofaktor für Erkrankungen des Gehirns und des Nervensystems.

Neuerdings gibt es auch vermehrte Hinweise, dass Aluminium bisher unbekannte hormonelle Wirkungen hat im Sinne eines Metallöstrogens. Aufgrund der EFSA-Empfehlungen sollte ein kleines Kind von aluhaltigen Schokolinsen höchstens vier Stück am Tag essen, darüber hinaus beginnt bereits das Risiko.

Referenzen:
Die Ernährungsfalle, Hans-Ulrich Grimm, Wilhelm Heyne Verlag 2010
Autor: Dr. med. Hans-Günter Kugler
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Umweltmedizin und ADHS

Kürzlich ist die dritte Auflage des Fachbuches „Multiple Chemikalien-Sensitivität (MCS)“ erschienen. Dieses Buch, verfasst von drei renommierten Autoren, bietet einen umfassenden Blick auf den aktuellen Forschungsstand der chronischen Multisystem-Erkrankungen.

In diesem Zusammenhang gehen die Autoren auch auf ADHS ein, die man zunächst nicht den Umweltmedizinischen Erkrankungen zuordnen würde. Verschiedene Fakten zeigen jedoch, dass Umweltfaktoren bei ADHS doch eine größere Rolle spielen könnten.

Eine Wirkungskette sieht so aus, dass Schadstoffe, insbesondere Pestizide, bestimmte Rezeptoren im zentralen Nervensystem aktivieren. Dies wiederum führt zur Aktivierung der so genannten NMDA-Rezeptoren, deren Aktivierung eine vermehrte Bildung von Stickoxid und Peroxinitrit bewirkt. Daraus resultiert eine Entzündung mit oxidativem und/ oder nitrosativem Stress. Diese Radikalverbindungen hemmen eisenhaltige Enzyme, die zur Bildung des Häms, eines Bestandteils des roten Blutfarbstoffes, benötigt werden. Die Folge davon ist, dass Zwischenprodukte der Hämsynthese in den Urin ausgeschieden werden. Über diesen Mechanismus besteht also ein enger Zusammenhang zwischen ADHS und Kryptopyrrolurie.

Das Dopaminsystem hat die wichtige Funktion, vor einer Entscheidung die im Gehirn gespeicherten emotionalen Informationen zu steuern und die Entscheidung von einer Belohnungserwartung abhängig zu machen. Von großer Bedeutung ist auch, dass Lerninhalte mit positiven Gefühlen verknüpft werden, denn nur so ist Lernen überhaupt möglich.

Wenn die Funktion des Dopaminsystems gestört ist, wird der Betroffene praktisch entscheidungs- und lernunfähig. Verschiedene Chemikalien wie z.B. PCB können die Funktion des Dopaminsystems stark beeinträchtigen. Das Ausmaß der Aufmerksamkeitsstörungen der Kinder korreliert mit der PCB-Dosis, mit der die Mutter vorgeburtlich belastet war.

Weitere Schadstoffe im Zusammenhang mit der Auslösung von ADHS sind: Pestizide wie Hexachlorbenzol, Nahrungsmittelzusatzstoffe wie Farb- und Konservierungsstoffe sowie Quecksilber aus Zahnamalgam. Alle diese Stoffe haben neurotoxische Wirkungen, sodass es nicht unplausibel ist, ADHS als Folge neurotoxischer Wirkungen von Umweltchemikalien aufzufassen.

Referenz:
Multiple Chemikalien-Sensitivität (MCS); Hans-Ulrich Hill et al., Shaker Verlag 2010
Autor: Dr. med. Hans-Günter Kugler ©