Archive for the ‘Schwermetalle’ Category

Hyperaktivität und Lernstörungen steigen mit Bleibelastung

Montag, Februar 20th, 2012

Rohre aus Altbauwohnungen können erheblich mit Blei belastet sein

Die heutige Bleibelastung der Umwelt dürfte für Kinder immer noch gefährlich sein, obwohl es bereits viele Maßnahmen zur Verminderung dieser Belastung gibt. Zu diesem Ergebnis kamen Experten der Universität von Bristol. Sie konnten nachweisen, dass Störungen der intellektuellen und emotionalen Entwicklung von Kindern häufig mit erhöhten Bleiwerten im Blut einhergehen. Es wurden die Blutproben von knapp 600 zweieinhalbjährigen Kindern untersucht. Bei 27 Prozent fand man mehr als 50 µg Blei pro Liter Blut. Bei einer Untersuchung der Kinder im Alter von 7 bis 8 Jahren stellten sich enge Zusammenhänge zur früher erhobenen Bleibelastung heraus. Die Kinder mit 50 – 100 µg Blei im Blut erreichten bei Lese- und Schreibtests nur halb so viele Punkte wie Kinder mit geringeren Bleiwerten. Ab 100 µg pro Liter waren zudem asoziales Verhalten und z.B. Hyperaktivität dreimal so häufig. Blei hat im Körper keine physiologische Bedeutung. Es gibt deshalb auch keinen unschädlichen minimalen Grenzwert. Seit der Abschaffung des bleihaltigen Benzins ist die Bleibelastung zwar insgesamt gesunken, es gibt aber immer noch zahlreiche alte Wasserrohre aus Blei, besonders in Altbauwohnungen, sowie Armaturen, die Bleispuren enthalten können.

Referenz:
Pressetext.at; 22. September 2009: Blei schadet Kindern auch in geringen Mengen/ Gesundheitliche Aufklärung
Bild: Gerd Altmann, pixelio.de

Hirnveränderung durch Bleibelastung

Montag, Juli 4th, 2011


Es ist bekannt, dass eine Bleibelastung in der Kindheit die Hirnentwicklung nachteilig beeinflusst. US-amerikanische und kanadische Wissenschaftler untersuchten jetzt mittels Kernspintomographie, ob eine Bleibelastung in der Kindheit zu nachweisbaren Hirnveränderungen führt. An der Studie nahmen 159 Erwachsene der Cincinnati Lead Study teil, bei denen in der Kindheit die Bleispiegel bestimmt worden waren. In Abhängigkeit vom Bleispiegel in der Kindheit konnte bei den Erwachsenen eine Verminderung der grauen Hirnmasse nachgewiesen werden. Außerdem wurden verschiedene biochemische Veränderungen betreffend Cholin, Myo-Inositol, Glutamat, Glutamin etc. nachgewiesen. Eine Bleibelastung im Kindesalter führt also zu irreversiblen neuronalen Schäden. Außerdem kommt es zu Veränderungen der Myelin-Architektur.

Referenz:
Kim M. Cecil et al.: Proton Magnetic Resonance Spectroscopy in adults with childhood lead exposure; Environmental Health Perspectives, Volume 119/Number 3/März 2011
Bild: Kathi Strahl, pixelio.de; Autor: Dr. med. Hans-Günter Kugler ©

Bleibelastung und intellektuelle Funktionen

Montag, Juni 27th, 2011


US-Wissenschafter untersuchten bei 43 Erwachsenen den Einfluss einer Bleibelastung in der Kindheit auf die intellektuellen Funktionen. Bei den Studienteilnehmern waren die Bleispiegel bereits in der Kindheit mehrfach gemessen worden. Bei der Beurteilung der Intelligenz zeigte sich ein signifikanter Zusammenhang der Bleibelastungen im Alter von 6 Monaten, 4 Jahren und 10 Jahren. Die Studienresultate lassen auch vermuten, dass das Gehirn während der Schulzeit besonders empfindlich auf Bleibelastungen reagiert.

Referenz:
Maitreyi Mazumdar et al.: Low-level environmental lead exposure in childhood and adult intellectual function: a follow-up study; Environmental Health 2011; ehjournal.net/content/10/1/24
Bild: Kathi Strahl, pixelio.de; Autor: Dr. med. Hans-Günter Kugler ©

Blei verursacht ADHS

Montag, Mai 30th, 2011


Amerikanische Wissenschaftler untersuchten den Zusammenhang zwischen der Bleikonzentration im Vollblut und einer ADS-Symptomatik. An der Studie nahmen 236 Kinder und Jugendliche im Alter von sechs bis siebzehn Jahren teil. Die Bleikonzentrationen lagen im Durchschnitt bei 7,3 µg/ l, die maximalen Werte bei 22 µg/l. Diese Bleikonzentrationen sind außerordentlich niedrig, sie sind geringer als die üblichen  Durchschnittswerte in Europa und den USA.

Aus der Studie ging hervor, dass sogar schon sehr niedrige Bleikonzentrationen mit der ADS-Symptomatik assoziiert sind. Es wurden die bisher niedrigsten Bleikonzentrationen in Relation zur ADS-Symptomatik gemessen

Dass eine Bleibelastung für die Entstehung von ADHS mitverantwortlich sein kann, ist auch aus neurobiologischer Sicht erklärbar, denn Blei stört den Kreislauf von Dopamin und anderen Neurotransmittern im Gehirn. Das Ergebnis der Studie ist von großer Bedeutung, da eine niedrige Bleibelastung weit verbreitet ist.

Eine weitere Studie über Blei weist nach, wie wichtig das Essen am Morgen ist: Eine Bleibelastung kann durch regelmäßiges Frühstücken vermindert werden, dies zeigen die Daten der China Jintan Cild Cohort Study. Es wurde der Zusammenhang zwischen Ernährungsgewohnheiten und der Bleikonzentration im Vollblut bei Kindern untersucht. Das Ergebnis zeigt folgendes: Kinder, die regelmäßig frühstückten, wiesen eine um 15 Prozent niedrigere Bleikonzentration im Blut auf als Kinder ohne Frühstück.

Referenzen:
Regular breakfast helps reduce lead poisoning in children. Medical News Today, 31.03.2011
Joel T. Nigg, Ph. D., et al.: Confirmation and extension of association of blood lead with attention-deficit/ hyperactivity disorder (ADHD) and ADHD symptom domains at population-typical exposure levels; J Child Psychol Psychiatry. 2010 January; 51(1): 58-65
Bild: Archiv; Autor: Michi ©

“ADHS-Gefahr” durch Blei und Quecksilber

Sonntag, August 1st, 2010

Der Einfluss von Blei und Quecksilber auf die ADHS-Symptomatik

ADHS ist die am häufigsten auftretende psychiatrische Erkrankung bei Kindern und Jugendlichen. Die Wirkung von Umweltgiften hinsichtlich der Entstehung von ADHS wurde bislang kaum berücksichtigt. Das bemängelte jetzt der Wissenschaftler Ulf Sauerbrey von der Friedrich-Schiller-Universität Jena (Lehrstuhl für Allgemeine Pädagogik und Theorie der Sozialpädagogik).

Sauerbrey hat mehr als 50 Studien aus den Jahren 1979 bis 2009 über den Einfluss von Umweltgiften bei Kindern ausgewertet und kommt zu dem Schluss, dass Umweltgifte die Entwicklung von ADHS in hohem Maße fördern. Zu den Umweltgiften gehören neben polychlorierten Biphenylen und Pestiziden insbesondere auch Schwermetalle wie Blei und Quecksilber.

Quecksilber ist das giftigste nicht radioaktive Element, das Nerven und Nieren schädigt. Als anorganisches oder als metallisches Quecksilber wurde es früher häufig für Amalgamfüllungen kariöser Zähne verwendet. Kleine stetig vom Organismus aufgenommene Mengen lagern sich bevorzugt im Nervensystem ab. Werdende Mütter mit Amalgamfüllungen können Quecksilber über die Plazenta an das werdende Kind abgeben. Eine weitere Quelle ist quecksilberhaltiger Fisch, der in den heutigen Weltmeeren sehr verbreitet ist. Im Fisch mit seinen fetthaltigen Strukturen speichert sich das so genannte Methylquecksilber sehr gut. Methylquecksilber ist hoch giftig - bereits niedrige Konzentrationen wurden von Wissenschaftlern mit Aufmerksamkeitsstörungen und Störungen des Wortgedächtnisses und der Feinmotorik in Zusammenhang gebracht. Chinesische Forscher verglichen die Quecksilberwerte von 52 Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren, die an einer ADHS-Symptomatik litten, mit 59 gesunden Kindern und Jugendlichen. Die ADHS-Gruppe zeigte mit Werten von 15 µg/ l signifikant höhere Quecksilberwerte als die Kontrollgruppe.

Blei ist ebenfalls ein schweres Nervengift. Es schädigt u.a. die Blutbildung und die Nieren. Blei kann insbesondere bei Kindern zu psychomotorischen Störungen und zu einer Verminderung des Intelligenzquotienten und der Gedächtnisleistung führen.
Heute ist die Umweltbelastung mit Blei im Vergleich zu der Zeit, in der dieser Stoff noch dem Treibstoff zugesetzt wurde, zwar wesentlich geringer, dennoch ist die Gefahr, die von diesem Schwermetall ausgeht, keinesfalls gebannt. Nach Aussage von Sauerbrey bestanden 2005 noch 30 Prozent der Berliner Wasserleitungen aus Blei, und er betont, dass Kinder, die in Industriestandorten wie z.B. dem Ruhrgebiet aufwachsen, Bleiexpositionen ausgesetzt sind, die durchaus gesundheitsschädlich sein können.
Stetig kleine Bleimengen können z.B. auch über kunststoffhaltiges Spielzeug aufgenommen werden; größere Mengen auch, wenn Kinder bleihaltige Erde oder bleihaltigen Sand verschlucken.

Leider ist bislang auch unter den Ärzten die Tatsache noch wenig bekannt, dass bereits geringe Mengen Blei schädlich sind:
Ein Amerikanisches Forscherteam unter der Leitung von Joel T. Nigg untersuchten bei 236 Kindern und Jugendlichen den Zusammenhang zwischen der Bleivollblutkonzentration und der ADS-Symptomatik. Die durchschnittlichen Konzentrationen lagen bei 7,3 µg/ l, die Maximalwerte bei 22 µg/ l. Es handelte sich also um außerordentlich niedrige Bleikonzentrationen, die geringer waren als die in den USA und Europa üblichen Durchschnittswerte. Der Blei-Grenzwert nach der Kommission „Human-Biomonitoring“ liegt bei Kindern zwischen 6 und 12 Jahren bei 50 µg/ l.
Die Bleikonzentrationen im Blut der untersuchten Kinder und Jugendlichen waren mit der ADHS-Symptomatik vom „Mischtypus“ assoziiert, nicht aber mit dem „vorwiegend unaufmerksamen Typ“. Eltern- und Lehrerreports bestätigten den Zusammenhang zwischen der Bleikonzentration und den ADHS-Symptomen. Die Studie zeigt, dass sogar sehr niedrige Bleikonzentrationen mit der ADS-Symptomatik assoziiert sind. In dieser Studie wurden die bisher niedrigsten Bleikonzentrationen in Relation zur ADS-Symptomatik gemessen. Das Ergebnis könnte natürlich eine erhebliche Relevanz haben, da eine niedrige Bleibelastung weit verbreitet ist. Eine Bleibelastung ist auch ein plausibler neurobiologischer Erklärungsfaktor für die Entstehung von ADHS, weil Blei den Kreislauf von Dopamin und anderen Neurotransmittern im Gehirn stört.
In einem ganzheitlichen Diagnose- und Therapieansatz sollte bei ADS/ ADHS neben einem Mikronährstoffmangel auch eine Belastung mit Schwermetallen in Betracht gezogen werden. Der erste Schritt hierzu wäre eine genaue Blutuntersuchung, um dann ggf. die Schwermetalle zur Ausleitung zu bringen.
Referenz

  • Dpa, 21.06.2010
  • Joel T. Nigg, Ph. D., et al: Confirmation and extension of association of blood lead with attention-deficit/ hyperactivity disorder (ADHD) and ADHD symptom domains at population-typical exposure levels; J Cild Psychol Psychiatry. 2010 January; 51(1): 58-65
  • Ulf Sauerbrey: ADHS durch Umweltgifte? Edition Paideia, 2010

Autor: admin-Karin ©